Der Heimatforscher Rudolf Armer würde am 11.2.2016 100 Jahre alt
Er hat nicht nur das Stadtwappen von Lauchhammer hinterlassen, aus einem arbeitsreichen Leben blieb auch eine umfassende Sammlung voller Dokumente und unzählige Veröffentlichungen zur Heimatgeschichte.
In vielen Zeitungen der Region, in Büchern und Artikeln, in Vorträgen und Versammlungen berichtete Rudolf Armer über die Geschichte der Stadt- und Ortsteile von Lauchhammer. Er forschte, besuchte Archive, befragte Einwohner von Lauchhammer, sammelte und ordnete Fotos zu und gab Bücher heraus. Zu seinen Lebzeiten wurde der im Volksmund als „Heimatforscher Armer“ bekannte Rudolf Armer für seine Arbeit wenige Monate vor seinem Tod mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Lauchhammer geehrt.
Eine wohl behütete Kindheit und Jugend in Dresden und Mückenberg (dem heutigen Lauchhammer-West) endete mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Rudolf Armer gehörte zu den so genannten Mischlingen, sein Vater wurde von der Gestapo inhaftiert. Dank des Einsatzes von Ortspolizist Monse kam er wieder auf freien Fuß, die Repressalien indessen gingen weiter. Es folgte ein Ausschluss aus Vereinen, eine höhere Schulbildung blieb Rudolf Armer verwehrt. Auch diese Zeit hat der Heimatforscher dokumentiert: „Zum gleichen Zeitpunkt wurden die beiden jüdischen Frauen Helene Sandermann, ebenfalls aus Mückenberg, und Emmi Rosski aus Bockwitz, dem heutigen Lauchhammer-Mitte, inhaftiert. Helene Sandermann kam ins KZ Auschwitz und wurde ermordet, von Emmi Rosski weiß ich nichts.“ Von 1939 bis 1945 war er im Krieg.
1943 heiratete er Erna Bach. Die Familie hielt immer zu ihm, obwohl die Beziehung von einigen Menschen Missbilligung erfuhr. Nach der Gefangenschaft konnte er erst 1947 seinen fast 3-jährigen Sohn Jörg in die Arme nehmen.
„Er begann als Elektriker zu arbeiten, erwarb das Ingenieurdiplom und war viele Jahre bis zu seiner Pensionierung als Betriebsleiter eines Kraftwerkes und einer Brikettfabrik im damaligen VEB Braunkohlenkombinat Lauchhammer tätig. Ein schwerer Schicksalsschlag für ihn und seine Familie war im Jahre 1959 der Unfalltod seines jüngsten Sohnes Jens“, berichtet sein Sohn, Jörg Armer.
Schon bald begann er, sich mit der Heimatgeschichte zu befassen und die vielen Erkenntnisse zu veröffentlichen. Eine ganze Reihe Artikel, Schriften und Bücher entstanden, wie zum Beispiel: „Lauchhammer in alten Ansichten“ im Jahr 1992 und posthum innerhalb der Schriftenreihe des Heimatvereins „250 Jahre Mückenberger Schlosskirche“ (Heft 6, 1996).
Rudolf Armer sprach im Stadtfernsehen und auf Vorträgen. Er gründete die erste Heimatstube in Lauchhammer-Mitte und ist Urheber des neuen Stadtwappens und des Siegels der Stadt.
Rudolf Armer starb am 9. März 1994. Seine Witwe, Erna Armer, übergab das wertvolle Archiv dem Kultur- und Heimatverein. Dieses ist inzwischen mit einem detaillierten Bestandsverzeichnis versehen und ist so als Quelle für viele weiterführende Veröffentlichungen zur Heimatgeschichte geworden.
Der damalige Bürgermeister von Lauchhammer, Wolfgang Konrad, schloss seine Trauerrede bei der Beerdigung von Rudolf Armer mit den Worten „Herr Armer hat sich durch sein Wirken ein Denkmal gesetzt, das wir Lauchhammeraner hegen und pflegen werden“.
Fotos: Jens Armer
Quelle: Jana Wieduwilt – Wieduwilt Kommunikation